Der leere Sinn von heute 


„Die Wohlstandsgesellschaft (der Wohlfahrtsstaat) von heute ist imstande praktische alle Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, ja, einzelne Bedürfnisse werden von der Konsumgesellschaft überhaupt erst erzeugt. Nur ein Bedürfnis geht leer aus, und das ist das Sinnbedürfnis des Menschen – das ist sein „Wille zum Sinn“, das dem Menschen innewohnende Bedürfnis, in seinem Leben oder besser gesagt in jeder einzelnen Lebenssituation einen Sinn zu finden – und hinauszugehen und ihn zu erfüllen! Um solcher Sinnerfüllung Willen ist der Mensch auch bereit zu leiden, wenn es nötig sein sollte.

Umgekehrt aber, wenn er um keinen Sinn des Lebens weiß, dann pfeift er aufs Leben, auch wenn es ihm äußerlich noch so gut gehen mag, und unter Umständen schmeißt er es dann weg. Tatsächlich haben meine Mitarbeiter an der US International University in Kalifornien feststellen können, das sowohl selbstmord als auch Drogenabhängigkeit im Grund auf das Sinnlosigkeitsgefühl zurückzuführen sind.“

Die 3 Wege zum Sinn im Hier und Jetzt

Lässt man einmal vorgefertigte Sinnschablonen und geistig, spirituelle Überbauten außen vor und betrachtet den Menschen im Hier und Jetzt, postuliert Frankl (und hat dies methodisch und empirisch nachgewiesen) drei Hauptstraßen auf den sich Sinn finden lässt (wichtig hierbei Sinn lässt sich nur finden, nach erschaffen) :

1. Mein Leben kann dadurch sinnvoll werden, dass ich eine Tat setze, dass ich ein Werk schaffe

2. aber auch dadurch, dass ich etwas erlebe – etwas oder jemanden erlebe, und jemanden in seiner ganzen Einmaligkeit und Einzigartigkeit zu erleben heißt, ihn zu lieben 

3. zuletzt zeigt sich aber auch dort, wo wir mit einem Schicksal konfrontiert sind, dass sich sich einfach nicht ändern lässt (eine unheilbare Krankheit, Verlust etc.), dass also auch dort, wo wir als hilflose Opfer mitten in eine hoffnungslose Situation hineingestellt sind, ja gerade dort, sich das Leben noch immer sinnvoll gestalten lässt … – denn das ist das Geheimnis der bedingungslosen Sinnträchtigkeit des Lebens : dass der Mensch gerade in Grenzsituationen seines Daseins aufgerufen ist, gleichsam Zeugnis abzulegen davon, wessen er ist und er allein fähig ist.

So hört denn das Leben buchstäblich bis zu seinem letzten Atemzug, bis zu unserem letzten Atemzug, nicht auf Sinn zu haben.“

Wir bräuchten also eigentlich nur den Horizont der am scheinbar so sinnlosen Leben leidenden erweitern, um sie dessen gewahr werden zu lassen, dass das Leben in Wirklichkeit nichts weniger als sinnlos ist und auch gar nicht sinnlos werden könnte.

Viktor Frankl – der Mensch vor der Frage nach dem Sinn

Sinn und Psychodynamik (Viktor Frankl)


Seit kurzem habe ich Viktor Frankl für mich (wieder) neu entdeckt. Komisch – ich hatte seine Bücher schon in meinem Regal, habe vor ein paar Jahren versucht mich mit ihnen anzufreunden, aber scheinbar erst jetzt bin ich soweit, das aufzunehmen, worum es Frankl ging. Ein sehr ehrlicher, offener und überaus wertschätzender Ansatz – ich finde mich nun in vielem wieder, was er beschreibt.

Interessant sind seine Gedanken zu den Psychodynamischen und Gruppentherapien, und so sehr ich die bisherigen Übungen, die ich selbst gemacht habe, auch transformierend fand, so tief haben mich seine Gedanken dazu berührt, er spricht aus, was ich immer im tiefesten Inneren spürte, wenn ich mich zu den Übungen „überwunden“ habe in der Hoffnung der Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung. Man macht sich selbst etwas vor – der Kern berührt es nicht. Ja, man kann ein Gefühl und eine Emotion erzeugen, aber das tiefste innere, ehrliche Gefühl wird nicht erzeugt oder provoziert. Was bleibt am Ende all dieser Prozesse ist eine Leere, sie kommt wieder früher oder später. 

„Die encounter group lässt sich ebenso als eine Reaktion auf die soziale Entfremdung verstehen, wie das sensitivity training als eine Reaktion auf die emotionale Entfremdung – die Selbstentfremdung. Individuell gesehen mag den Reaktionen eine therapeutische Funktion zukommen. Sozial gesehen, sind sie symptomatisch. Unter Umständen arbeiten sie aber auch der Krankheit in die Hand. Das Gefühl lässt sich nicht absichtlich herbeiführen. Es entzieht sich der Hyper Intention, um diesen Ausdruck einzuführen. Es muss sich einstellen, es lässt sich aber nicht einfangen. Im Gegenteil auf diese Art und Weise blockieren wir es nur..

Es gibt nun einmal Phänomene, die sich nicht wollen lassen : ich kann nicht glauben wollen, ich kann nicht lieben wollen, ich kann nicht hoffen wollen, und am allerwenigsten kann ich wollen wollen.

Diese und verwandte Phänomene lassen sich nämlich nicht manipulieren. Dies rührt daher, dass ihre Manipulation nur auf dem Hintergrund der Verwandlung des Subjekts in ein Objekt möglich ist.“

Im weiteren Verlauf beschreibt Frankl, die Hyper-Intention und die Hyper-Reflexion, als Ursache für psychische Erkrankungen und Neurosen. Und er sieht genau in ihrem Gegenteil – der Selbsttranzendierung – also dem aus sich und über sich herausgehendem die Heilung. Das bewusste Erzwingen eines inneren Gefühlszustandes (Hyper Intention) und die darauffolgenden Fokussierung und Untersuchung dieses Gefühlszustandes (Hyperreflexion) führt direkt in die innere Leere und paradoxerweise eben nicht in den erwünschten Gefühlszustand. 

Gruppendynamische Prozesse sind durchaus hilfreich, wenn sie die kooperative und soziale Sinnrealisierung und somit die individuelle Selbsttranzendierung unterstützen – eine rein auf innere Gefühlswelten und Selbstverwirklichung ausgerichtete Gruppenarbeit hingegen, kann die bestehenden Defizite indes sogar noch vertiefen.

„Ein Übermaß an Aufmerksamkeit, ein Übermaß an Bewusstheit, die „Hyper-Reflexion„, um auch diesen Befriff einzuführen, ist nicht weniger pathogen, als ein Übermaß an Absicht, Hyper-Intention. Beide Reaktionsmuster werden von der encountergroup forciert. Der Patient wird aufgefordert, sich unentwegt zu belauern und, was immer er im Rahmen der forcierten Reflexion feststellt, zu registrieren. Ja mehr als dies : er muss es unaufhörlich diskutieren (Hyper Diskussion).“

All diese Hypers werden immer mehr zum Selbstzweck und am Ende zum Lebenszweck – das Leben wird sinnleer, da es nur noch aus den Selbst Intentionen und Spiegeln aber aus keinem Inhalt mehr besteht. Der Mensch fällt in sich zusammen anstatt aus sich herauszuwachsen. 

Das authentische Gefühl stellt sich ein durch das sinnerfüllte (und der Sinn ist hierbei sehr individuell und situativ zu verstehen) über sich selbst Hinausgehen (Selbsttranzendierung) – und eben nicht in der Selbst Analyse, Manipulation und Artikulation des Gefühls vor sich selbst oder anderen. Auch eine gruppenbasierte Arbeit sollte von daher nicht auf eine Selbstreflexion und Verwirkichung ausgerichtet sein, sondern ganz im Gegenteil das sinnerfüllende Streben über sich hinaus forcieren und unterstützen.

„Die Teilnehmer würden dann nicht nur sich selbst zum Ausdruck bringen, sondern sich selbst auf den Logos ihrer persönlichen Existenz hin transzendieren und solcherart einander zu einer wirklich humanen Existenz verhelfen“

Quelle: Viktor Frankl – Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn 

Kontrolle – die ICH BIN Lüge 


Es gibt keine Kontrolle. Was ist denn eigentlich Kontrolle? 

Es ist interessant, dass wir das Wort so zweideutig benutzen. Einmal drückt es aus, dass wir etwas beherrschen und im Griff haben und dann gleichzeitig, dass wir überprüfen, ob etwas richtig oder vollständig ist.

Aber genau darum geht es wohl. Wir, das Leben, alles ist der Vergänglichkeit unterworfen. Wir werden nicht mehr sein, Punkt!

Und unsere „ich“ Gefühl ist nur eine Vorstellung. Wie empfinden wir unser „ich“, „ich bin“ ? – doch nur durch die Dinge, Situationen, Menschen, die eine Reaktion in uns auslösen, einen Gedanken, ein Gefühl – und dann denken oder fühlen wir, „ich bin …“ – unser ICH BIN entsteht in uns, ausgelöst durch eine Spiegelung dessen was wir wahrnehmen.

Und je mehr wir etwas wahrnehmen mit dem wir uns identifizieren (können) – meist sind es die Dinge, die uns vertraut sind, die wir kennen – desto intensiver und stärker empfinden wir das „ich“ – Gefühl.

Diese Gefühl ICH BIN ist (scheinbar) das einzige, was wir haben, es macht uns aus, wir sind es. Was wären wir denn ohne unser Gefühl ICH BIN? Schon einmal darüber nachgedacht? Was bliebe von dir übrig – wenn du es nicht mehr empfinden könntest? Dieses ICH BIN – schaut her, wer ich bin! Wenn du all das nicht mehr empfindest, bliebe da noch etwas ? 

Stell dir vor, du würdest dein „ich bin…“ GEFÜHL nicht mehr wahrnehmen! Was wäre dann? Wir würde es sich anfühlen?

Leben ohne ICH BIN

Nichts! – dein Ich wäre verschwunden, es hätte sich aufgelöst. „Wäre gestorben“ wie die Spirituellen es nennen. Und trotzdem könntest du noch leben und noch da sein, oder? Du würdest nur „dich“ nicht mehr so spüren. Aber wer bist du denn dann? Wenn du noch am Leben, und im Körper wärst, aber dich selbst nicht mehr wahrnimmst? 

Kann es sein, dass wir alle hier ein großen Illusion aufsitzen. Wir haben ein Gefühl „ich“. Aber wir und unser Körper leben auch ganz gut ohne dieses Gefühl (wenn wir es mal verlieren sollten oder uns das einfach mal nur vorstellen). Wer und wie sind wir denn dann? Wir würden dann leben, ohne uns unseres ICH bewusst zu sein, oder uns daran mich zu erinnern, was wir sind, was wir waren und könnten uns auch gar nicht wirklich vorstellen, was wir sein können – da es uns als das „ich werde sein“ ja gar nicht gibt ohne ich.

Wir wüssten auch mit all den Dingen und Menschen um uns herum nicht wirklich etwas anzufangen, da wir sie ohne einen Bezugspunkt von ICH BIN ja weder erkennen noch erinnern könnten. Und hier geht es nicht darum, als Zombie zu vegetieren, sondern sehr bewusst zu sein, aber halt ohne eine Vorstellung, dessen WAS man ist. Man hat noch dieses Gefühl davon zu exisistieren und in der Welt zu sein, aber halt nicht mehr als irgendeine definierte Form von ICH BIN ! Man wird wieder zum ICH ohne BIN.

ICH – BIN – ETWAS

Macht dir diese Vorstellung Angst? Macht sie dich schwindelig im Kopf? Genau darum geht es, dass ist die Essenz. Geh mal rein in dieses Gefühl, dass es „dich“ nicht gibt. Du exisitierst nicht mehr. Mal ist es erleichternd, mal neutral und mal gruselig und beängstigend. Es braucht ein Bewusstsein, von ich um zu überleben – denn ich als Körper muss ja essen, trinken etc., wenn ich nicht im künstlichen Koma liege und ernährt werde, muss ich mich darum kümmern.

Aber darüberhinaus entsteht noch etwas, dass sich ganz natürlich anfühlt, dass ich aber eigentlich kann nicht brauche, nämlich dieses Gefühl, die Gewissheit von ICH BIN – das ist jetzt schon mehr als nur ICH – denn jetzt BIN ich etwas – und dieses kleine etwas – genau darum geht es. Dieses „ich bin etwas“ macht aus einem Gefühl „ich“ (einer anwesenheit, eines Gefühls von sein) mehr, es gibt ihm eine Bedeutung – nämlich etwas zu sein (genau dieses „etwas“, von ich bin „etwas“).

Und jetzt wird es spannend, denn jetzt lebt unser Körper mit seinem Ich, nicht mehr nur für sein Fortbestehen, sondern das ICH wird zum ICH BIN (etwas) und lebt dafür, dass zu erhalten und fortzubestehen, was dieses etwas ist.

Kontrolle 

Nehme ich dir dieses „etwas“, erlischt dein ICH BIN, und nur noch dein ICH bleibt. Das ist die Kontrolle, denn du kontrollierst ständig, ob als dieses etwas noch da ist, fortbesteht oder vielleicht sogar noch größer und intensiver wird, weil es dein Gefühl von ICH BIN erhält und ausmacht. Das ist schade, denn so ist dein Gefühl von ICH beschränkt auf das „etwas“ des ICH BIN, wobei du doch viel mehr bist – als nur deine Dinge, Freunde, Job, Gefühle, Situationen und Erfahrungen, aus denen die „etwas“ meist besteht.

Und das ist das Leid der Kontrollosigkeit, denn all diese etwas-Dinge vergehen – sie sind ja nur da, wenn du sie in diesem, einem Moment hast und erlebst, und danach existieren sie nur noch als Vorstellung von ICH BIN in deinem Kopf, manche kannst du wiederholen, immer wieder. Auch dies ist Kontrolle, durch eine kontrollierte Handlung wiederholst du dieses etwas, dass du zu einem Gefühl von ICH BIN gemacht hast. (In Realität oder in Gedanken und Erinnerungen).

Das ist Kontrolle, du beherrscht und kontrollierst das, das dir persönlich das „etwas“ gibt, das zu deinem Gefühl ICH BIN etwas gehört, und damit kontrollierst du ob dein ICH BIN noch vollständig ist, noch da ist. Ist dies „etwas“ nicht mehr da, stirbt dieser Teil deines ICH BIN. Was du gleichsetzt damit, dass du stirbst. Du kannst ihn in Gedanken noch hervorrufen, und dich erinnern, er bestand ja eh nur aus Gedanken und Gefühlen. Dann schaust du Fotos an, Filme, erzählst Geschichten, und erinnerst dich daran, was dieses etwas ist / war, damit du fühlen kannst ICH BIN – du kontrollierst dann deinen Geist. So beginnst du immer mehr, deine Umstände und / oder deinen Geist zu kontrollieren, damit du permanent das „etwas“ von ICH BIN um dich herum hast. 

Es gibt keine Kontrolle 

Vielleicht wird jetzt deutlich, dass und warum es deswegen auch keine echte Kontrolle gibt und geben kann. Es ist wie die Katze, die ihren eigenen Schwanz fangen will. Aus dem reinen Gefühl von ICH, entsteht durch das „etwas“ (welches das ICH wahrnehmen kann) ein Gefühl von ICH BIN – das fatale dabei ist, das alles woraus dieses „etwas“ bestehen kann sich permanent verändert und sich am Ende (oft auch früher – Verlust) auflösen wird.

Wie du siehst, ist dieses Gefühl von ICH BIN eben genau nur dies, ein Gefühl, erzeugt durch deine Wahrnehmung von „etwas“, dass du kennst, dass dich ausmacht (dazu kann auch gehören, die Suche nach dem ständig Unbekannten, dann ist halt dieses deine ICH BIN Wahrnehmung). Die Wurzel des „etwas“ ist ganz einfach als das, das deinem wahrnehmenden ICH begegnet. Alles wird einsortiert, in ICH BIN ES oder ICH BIN ES NICHT. Je früher, desto intensiver – je intensiver desto mehr ICH BIN.

Aber es ist halt nur ein Gefühl, ausgelöst durch das vom ICH wahrgenommene und eben nicht das wahrgenommene Objekt selbst (du bist kein Haus oder Auto – auch wenn es sich wie dein Zuhause, dein ICH BIN anfühlt). Und dieses Gefühl macht dich in dem Moment aus. Ohne diese Empfindung, bekommst du das Gefühl zu sterben, also wirst du beginnen es zu kontrollieren. Denn ohne es wirst du nicht mehr das Empfinden von ICH BIN erleben, und daher versterben. Das ICH BIN löst sich auf. Es wird sich anfühlen wie der Tod des ICH BIN.

Das ist es worum es bei Kontrolle geht. Dein aus wahrgenommenen Vorstellungen rein mental entstandendes ICH BIN, wird alles tun um die Vorstellungen permanent zu erleben und zu wiederholen, aus denen es besteht. Er wird durch Beherrschung Situationen und Gedanken erzwingen, die den Vorstellungen entsprechen und wird durch „Nachprüfen“ sich immer vergewissern, dass diese Vorstellungen auch noch vorhanden sind. Das „etwas“ kann schon längst verschwunden sein – es geht um die Vorstellung (daher werden einige dann auch wahnsinnig – sie erzeugen ihre eigenen Realität aus den als essentiell empfundenen Vorstellungen, um ihr Gefühl von ICH BIN nicht zu verlieren – die letzte Form von Kontrolle) 

Und deswegen fängt die Katze hier ihren Schwanz. Das ICH BIN geboren und bestehend als reine Vorstellung erhält sich nur dadurch am Leben, indem es zwanghaft die Gedanken und Erfahrungen (von Dingen, Menschen, Situationen) zu kontrollieren versucht – es prüft das es noch vollständig ist, in dem es diese Vorstellung immmer wiederholen muss. Ohne die Gedanken und  Situationen hört es sofort auf zu existieren, denn es besteht ja nur daraus. Das Gefühl von wirklicher Existenz (welches das ICH BIN so zu kontrollieren versucht) wird es aber NIE erlangen, weil es eben nicht existiert sondern nur aus Gedanken und Vorstellungen besteht. Es ist das ICH, welches sich nur durch das ICH BIN erfahren kann, aber eben niemals das etwas sein kann. Wie die Katze die ihren Schwanz irrtümlicher weise für eine Maus hält und versucht diese zu fangen. Schaut das ICH genau hin, wird es bei jedem Gefühl von ICH BIN am Ende erkennen, dass es nur eine Illusion war und eben nicht real. Spätestens wenn einem alles genommen wird, und man sich nicht in Wahnvorstellungdn verliert, realisiert man dieses. Spätestens im Moment des eigenen physischen Todes.



Sinn und Ohnsinn


„Denn entweder hat es (das Leben) einen Sinn – dann muss es ihn auch behalten, wenn es noch so kurz dauert. 

Oder aber es hat keinen Sinn – dann könnte es auch nicht sinnvoll werden, wenn es noch so lange dauern würde.

Selbst ein Leben, dass wir anscheinend vertan haben, lässt sich rückwirkend mit Sinn erfüllen, indem wir gerade durch diese Selbsterkenntnis über uns hinauswachsen.“

Moderne Sinnlosigkeit 

Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er tun muss. Oder im Gegensatz zum zum Menschen früher – auch keine keine Tradititon mehr – was er tun soll. Und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will

So kommt es dann, das er entweder nur das will, was die anderen tun (Konformismus) oder er will, was die anderen von ihm wollen (Totalitarismus).
– Viktor Frankl – der Mensch vor der Frage nach dem Sinn

Verstand und Gefühle


„Es ist eine Illusion, sich Gefühlen versperren oder für Gefühle öffnen zu können.

In dem Moment, in dem sich der Mensch entscheiden kann, was er mit einem Gefühl tun möchte, ist es längst da.“

Klaus Eibach – Philosophie der Gefühle 

Tja, da gibt es eigentlich nix mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht – dass wir unsere Gefühle dann ja auch einfach mal annehmen und leben können, wie sie kommen. Wenn wir eh keine Kontrolle über sie haben und sie auch nicht hin- oder wegdenken können. 

Das alles macht keinen Sinn – Genau!


Ich war gestern mit meiner guten Freundin Angie unterwegs. Und wow, da ist einiges passiert. Ich glaube der Sinn, den ich suche und den wir alle suchen, in unseren unterschiedlichsten Arten und Weisen, gibt es nicht. Das ist kein Sinn, null, nada, zero – komplette Sinnlosigkeit. Leere!

Und vielleicht, wenn man einen Sinn suchen und finden möchte, ist es genau das, der Sinn hinter der Sinnlosigkeit in allem. Und das ist die ultimative Freiheit und Kreativität. Ohne irgendeinen bindenden Sinn, kann alles sein und entstehen, was möglich ist – und ich meine wirklich ALLES. Denn es gibt dann ja nichts, wonach man strebt, sich entwickelt und ausrichtet. Das ist die vollkommene Kreation – das alles was entstehen kann auf dem Grund der komplett sinnfreien Leerheit und sie kann nicht aufhören, nie.

Ich werde es nie finden

Deswegen werde ich es auch nie finden. Ich werde mich nie finden. Das ist es ja, dieses nicht wissen wer ich bin, und was der Sinn hier ist, ist das worum es geht. Das schafft erst den Raum, für all diese Erfahrungen und Kreationen, die hier unendlich entstehen. Wüsste ich tatsächlich, das ich das Absolute bin, und alles und alle Zeit, wäre es sofort vorbei. Was würde ich noch schaffen, was ich nicht eh schon bin. Wie langweilig. Das „Spiel“ wäre ja sofort vorbei. 

Ebenso wenn es tatsächlich einen erreichbaren Sinn gäbe, das Spiel wäre ja vorbei, wenn er vollkommen erreicht wäre. Und ich rede hier von Unendlichkeit. Daher kann es gar keinen Sinn geben. Wir kommen ja bereits aus der Unendlichkeit, wir wären gar nicht hier, gäbe es einen erreichbaren Sinn. Es gibt keinen.

Verzweifeln an der Sinnlosigkeit 

Nun könnte man daran verzweifeln – was ja auch viele tun. Sei es in Depression oder gar sich selbst ein Ende zu bereiten. Dabei ist es genau diese Sinnlosigkeit, die soooo schön ist. Sie ist ein Geschenk der absoluten Verwirklichung – alles ist denkbar und erlaubt. Es gib dafür keine Orden oder eine Belohnung am Ende, denn es ist ja sinnlos – ABER der Akt des Schöpfens ist damit so befreit, dass er irgendeine dahinterliegenden Sinn bei weitem überragt – kein Sinn könnte mehr Freude machen, als das permanente vollkommen freie Schöpfen, von allem was denkbar ist. Schau auf spielende Kinder – dann weißt du wovon ich rede.

Und eh du jetzt auf falsche Gedanken kommst, auch dieser Zustand muss nicht erst noch erreicht werden, er ist bereits überall, hier und jetzt. Und deine Empfindung, dass du dich nicht so fühlst und auch nicht frei und auch nicht sinnvoll gehört dazu – es ist ein Teil, eine Erfahrung die sich auslebt, einfach weil sie möglich ist. Genieße es, statt daran zu verzweifeln. Fantastisch 

Stufen der Verwirklichung


F : Das Absolute kann nur über viele Stufen des Fortschritts erreicht werden. Gibt es verschiedene Grade der Wirklichkeit?

M : Nein, einen Gradunterschied gibt es nur in den Erfahrungen der individuellen Seele, jiva, nicht in der wahren Wirklichkeit. Wenn etwas neu gewonnen werden kann, dann kann es auch wieder verlorengehen. Das Absolute aber ist ewig – hier und jetzt.

Ramana – Gespräche des Weisen

Es gibt keine Verwirklichung auch nicht in Stufen. Das was ist, ist schon längst und alles, was sollte sich da noch verwirklichen. Es ist der Wunsch und das Bedürfnis meines Ego etwas verwirklichen zu wollen. Etwas zu tun oder zu suchen oder hinzuzufügen, um etwas, eine neue Stufe (die es nicht gibt) erreichen zu wollen.

Der Mensch kann das erfahren und es ist auch logisch, wenn man mal tiefer darüber nachdenkt. Wir suchen das Absolute – das von dem wir wollen und wissen, das es alles, jetzt und hier und überall ist. Wie sollte sich da überhaupt etwas verwirklichen – sprich wirklich werden – das ist unmöglich. Entweder ist das was man angeblich verwirklicht nicht das Absolute, denn dann wäre es ja vorher schon gewesen oder das was sich verwirklicht, ist nur ein wahrgenommener Teil des Absoluten – des Spiel der „Verwirklichung“ innerhalb und durch das Absolute selbst. 

Hahaha – es ist so einfach und so logisch, dass ich es nie gesehen habe – das Absolute ist doch alles und überall – wäre es das nicht, wäre es nicht das was zumindest ich suche. „Entwicklung zu etwas Höherem, Verschmelzung mit irgendwas, eingehen in ein Licht“ etc – findet bestimmt alles statt, wenn Menschen über ihre gemachten Erfahrungen berichten, hat aber nichts mit einer Erfahrung des absoluten Sein zu tun. Oder zumindest waren sie vor, während und nach ihrer Erfahrung immer unverändert bereits das Absolute – das ist und war ihre Erfahrung von Sein – die sie aber nicht wahrnehmen konnten, weil sie ihr Bewusstsein komplett in ihrer „Verwirklichungs“-Erfahrung vertieft haben. Das ist nicht Negatives, im Gegenteil, denn auch diese erlebte Erfahrung ist geil – und das ist ihr einziger Sinn.

Es ist wie die Welle, die sich durch den Ozean bewegt und endlich herausfinden und erfahren möchte, was das all umfassende Wasser ist. Und sie strengt sich an, eine noch schönere und größere Wellen zu werden, im Rauschen des Meeres. Und auch in der perfekten Brandung, die perfekte Dünung zu erfahren, um endlich das Wasser zu verwirklichen und zu sein, das sie im Grunde immer schon war und nie verloren hatte.

Free Yourself – Albert Einstein


„A human being is a part of the whole, called by us, „Universe,“ a part limited in time and space. He experiences himself, his thoughts and feelings as something separated from the rest — a kind of optical delusion of his consciousness. 

This delusion is a kind of prison for us, restricting us to our personal desires and to affection for a few persons nearest to us. Our task must be to free ourselves from this prison by widening our circle of compassion to embrace all living creatures and the whole of nature in its beauty. 
Nobody is able to achieve this completely, but the striving for such achievement is in itself a part of the liberation and a foundation for inner security.“
Albert Einstein

Was ist Karma?


F : Es heißt vom jiva (der individuellen Seele), dass sie durch Karma gebunden sei. Ist das richtig? Und wie würde man frei von Karma?

M : Lassen Sie Karma seine Früchte selbst ernten. Sie sind nur so lange der Erntende, wie Sie der <Handelnde> sind.  Erkennen Sie, um wessen Karma es sich handelt, dann werden Sie erkennen, dass Sie nicht der Handelnde sind; damit sind Sie frei.

Für diese Erkenntnis ist die Gnade Gottes nötig, um die Sie zu ihm beten sollten; verehren sie ihn und meditieren Sie über Ihn. Das Handeln, das ohne eigenes Bemühen, d.h. also unwillkürlich geschieht, bindet nicht. (Auch der jnani – der Befreite ist tätig.) 

Solange das Empfinden besteht, selbst <der Handelnde> zu sein, kann es kein Handeln ohne Einsatz von Energie und Absicht geben.

Es gibt zweierlei Arten von Absicht: die eine bindet; die andere bindet nicht. (Die erstere muss aufgegeben werden, die letztere gepflegt werden). 

Es gibt keine Wirkung ohne vorangegangenes Handeln, kein Handeln ohne vorangegangene Absicht; selbst mukti, die Befreiung, muss mit Absicht angestrebt werden, solange das Gefühl, Handelnder zu sein, noch besteht.

Ramana, Gespräche des Weisens

Keine Wirkung ohne Handeln, kein Handeln ohne Absicht – das ist Karma. Es besteht immer. Aber Karma bindet dich nur, wenn du es persönlich nimmst, wenn du denkst, dass du es bist der handelt, und nicht erkennst, dass die Handlung auch ohne dich aufgrund von Karma stattfindet.

Man erzeugt kein eigenes Karma, ebenso wenig wie man durch Karma oder „sein“ Karma gebunden ist. Karma folgt der Polarität – wie ein Meteor einen Krater erzeugt oder ein Stein im Wasser Wellen, so erzeugt eine Handlung ihr eigenes Gegenstück. Und die Handlung basiert auf Absicht. 

Es ist lustig – spreche ich mit Menschen über Karma, verwechslen sie Karma also das reine Prinzip von Absicht, Handlung und Wirkung mit sich selbst als dem Verursacher und denken sie hätten ein persönliches Karma. So wie sie sich selbst nicht erkennen, identifizieren Sie sich auch mit dem Karma und machen es zu etwas Persönlichem. Sie wollen „ihr“ Karma beeinflussen oder lösen, anstatt einfach nur zu erkennen, dass sie gar nichts damit zu tun haben. Das ist verdreht, sie wollen ihr Karma lösen um sich zu befreien, anstatt sich zu befreien, damit das Karma sich selbst auflöst. Das gleicht dem Versuch Wellen auf dem Wasser glattstreichen zu wollen, anstatt die Wellen ihre Bahnen ziehen zu lassen und einfach nur zu warten bis das Wasser wieder ganz still geworden ist.

Sie denken, dass sie ihr Handeln neues Karma erzeugt und sie ihr altes Karma „abarbeiten“ oder ausgleichen müssen. Das ist unmöglich, denn die Absicht irgendwas zu erreichen, erzeugt nur wieder neue Handlungen mit entsprechenden Wirkungen. Die Loslösung findet (wie die Befreiung) nicht im Karma oder der Arbeit im oder mit karmischen Wirkungen statt, sondern auch hier durch das Erkennen und loslassen, also genau dem Gegenteil davon etwas zu erreichen, abzuarbeiten oder aufzulösen. 

Karma Yoga

Deswegen Karma Yoga – nicht um mit Handlungen etwas zu erreichen, zu lösen oder auszugleichen, sondern einfach um zu der Erkenntnis zu gelangen, das Ursachen und Wirkungen entstehen, auch ohne dein bewusstes Zutun. Es ist so simpel – kompliziert wird es erst, wenn du versuchst im Wirken von Karma selbst etwas erreichen oder lösen zu wollen.

Auch bei Diskussionen über Karma Yoga empfinde ich das Pferd oft von hinten aufgezäumt. Es wird da Wert auf die Handlung und die „karmische“ Absicht dahinter gelegt. Dabei ist für mich der Kern gar nicht die Tat, sondern gerade das Losgelöstseim davon. Zu Handeln ohne sich als den Handelnde zu empfinden – das bedeutet für mich Karma Yoga – welche Handlung derjenige da vollzieht ist für mich dabei zunächst irrelevant (sie findet ja eben nicht durch die Person sondern ausschließlich durch das Karma statt, welches unpersönlich ist)

Karma ist immer gut – Karma nutzen  

Aber wir können Karma tatsächlich auf zwei ganz einfache und sehr angenehme Arten für uns nutzen, anstatt dagegen zu kämpfen oder es „bearbeiten“ zu wollen. Tatsächlich durch Karma Yoga – dem bewusst absichtsloses Handeln – das wird aber erst dann Früchte zeigen, wenn das Karma Yoga tatsächlich völlig absichtslos verrichtet wird. Sie selbst zu zwingen absichtslos zu handeln ist absurd paradox und die Idee an sich typisch menschlich verrückt. Ich würde Karma Yoga vielmehr als spannende Übung empfehlen, neugierig mal so zu handeln, als wenn deine Handlungen von allein stattfinden, ohne dass du selbst etwas dazu beiträgst. Lass den Zwang weg, nimm es als Spiel oder Experiment. Sei dir bewusst, dass alle Dinge ohne dich stattfinden, selbst deine eigenes Leben und Handeln, und sei neugierig und gespannt, was passiert und was das mit dir macht.

Sich zu absichtslosen Handeln zu zwingen ist ein Widerspruch in sich und deswegen nutzlos und idiotisch – es ist nicht wirkungslos aber überflüssig. Wenn du den Sinn von Karma nicht transzendiert hast, wird dir Karma Yoga wie ein Gefängnis oder Zwang vorkommen – in dem du dich durch gezwungen fühlst irgendwie „besser“ zu handeln. Du empfindest dich als der bewusst Handelnde (als Karma Yogi) – du denkst noch, dass dein Handeln, dich irgendwie karmisch befreien oder weiterbringen würde, was exakt das Gegenteil von Karma Yoga ist. 

Karma für dich nutzen – Die Gnade der Erkenntnis

Es gibt daher einen noch sehr viel einfacheren Weg, ein Geschenk, das aus dem Karma selbst kommt. Vertrauen! Es ist nicht falsch, sich als den Handelnden zu empfinden – im Gegenteil, nutze das für dich. Aber nicht indem du es loswerden oder durch irgendwelche Handlungen abbauen willst oder verändern willst. Nutze das karmische Prinzip von Absicht – Handlung und Wirkung für dich. 

Jeder Absicht folgt die Wirkung durch eine Handlung, und zwar OHNE deine eigenes Dazutun. Jeder Wirkung – also auch die deiner Befreiung geht eine Handlung voraus und diese hat ihren Ursprung in einer Absicht – das ist Karma in Aktion. Nochmal, denn das ist wichtig, nicht die Handlung sondern die Absicht ist der Schlüssel!  Die Absicht zur Befreiung ist das einzig Sinnvolle, was du tun brauchst –  das einzige was du tun kannst. Es ist doch auch logisch, alles was du darüber hin willst, wird dich wieder nur binden. 

Wenn du an Karma glaubst, dann höre auf irgendetwas zu tun – pflanze die Absicht zu deiner Befreiung und vertraue auf die Gnade – das ist der schnellste weg, wenn du wirklich mit Karma arbeiten möchtest. Deine Befreiung hat nichts mit Arbeit zu tun, es ist einzige dein Wunsch – der von dir einst gesät wurde – befreit zu sein. Durch das Karma erblüht er im Handeln und wird zu Zeiten die Frucht der Befreiung bewirken.  Das ist Karma.

Im Treibsand – Mache ich Fortschritte?


Früher habe ich mir diese Frage sehr oft gestellt, und auch heute ploppt sie immer wieder auf –  ein Zeichen meines Ichs, das unbedingt etwas sein will, etwas erreichen möchte, und glaubt – es sei derjenige, der alles macht, kontrolliert, gestaltet und letztendlich auch die Verwirklichung erzeugt? 

F : Bitte sagt mir, was ich tun soll, wie ich es tun soll, zu welchen Zeiten, an welchen Orten usw.

Der Meister schwieg. Sein Schweigen schien alles zu sagen : habe Frieden und sei still, hier und jetzt, das ist alles.

Am folgenden Tag äußerte er sich dazu : solche Menschen suchen nach einem Mantra für japa, nach dhyana, Yoga oder etwas Ähnlichem. Wozu? Wer ist es der japa ausführt? Wer erntet dessen Früchte? Können sie nicht nach dem Selbst Ausschau halten?

Selbst wenn sie angewiesen werden, japa oä. zu üben, tun Sie dieses eine Zeitlang, aber immer mit dem Blick auf irgendwelche Ergebnisse – Visionen, Träumen oder okkulten Kräften. Und finden Sie diese nicht, dann sagen sie, sie machten keine Fortschritte oder dir vorgeschriebene Askese hätte keine Wirkungskraft. Visionen und dergleichen sind aber kein Maßstab des Fortschritts – die bloße Ausübung von Askese ist bereits Fortschritt – aber es gehört Ausdauer dazu.

Darüber hinaus müssen sie Vertrauen zu ihrem Mantra oder ihrer Gottheit haben und auf Seine Gnade warten. Das tun sie aber nicht. Schon das nur einmal ausgesprochene Mantra hat seine Wirkung, ob der Betreffende dessen nun gewahr wird oder nicht.

Ramana – Gespräche des Weisen

Wie im Treibsand – alles Tun um sich selbst zu befreien, lässt einen schnell und sicher im Sand untergehen – gar nichts zu tun aber auch, dann langsamer – in beiden Fällen wird man sterben. Man selbst kann sich nicht befreien, man kann die Befreiung oder  Hilfe auch nicht herbeizaubern aber dennoch kann man nach Rettung Ausschau halten und rufen. Aber es ist unmöglich sich selbst zu befreien. Versucht man es, geht man gnadenlos unter. Auch wenn es sinnlos oder aussichtslos erscheint, mag jeder Ruf den man aussendet, dennoch etwas oder jmd in der Ferne  aufmerksam machen.

Die Rettung braucht mich nicht 

Die Rettung mag schon längst unterwegs sein, auch wenn man sie noch nicht sehen oder hören kann. Sie suchen dich, wollen dich retten, aber du selbst weißt in der verzweifelten Lage noch nicht einmal davon. Du glaubst nicht mehr an Rettung. Und dein Rufen erscheint dir komplett leer und sinnlos – es bringt ja nix, es verbessert ja meine Situation nicht. Rufst du weiter oder gibst du auf, wenn dein rufen, scheinbar keine Sinn mehr macht? Und dein letzter, „sinnloser“ Hilferuf – an den du selbst nicht mehr glaubst – kurz bevor dein Schopf im Sand versinkt, mag deiner Rettung den Weg zu dir weisen. Und sie ziehen dich heraus aus dem Morast – das nennt man Gnade empfangen.

Die  Ertrinkende 

Als ich Tauchen gelernt habe, habe ich einmal eine Frau in Panik vor dem Ertrinken aus dem Wasser gezogen. Es war schwer, aber nicht die Frau und ihre Rettung, sondern ihre Panik und der Versuch sich selbst zu retten. Es war offensichtlich, dass sie Hilfe brauchte und wollte aber sie konnte sich nicht helfen lassen, weil sie Zuviel Angst hatte dann unterzugehen. Dabei weiß jeder, der schon mal jemanden aus dem Wasser gerettet hat, das es am leichtesten ist, wenn derjenige sich ruhig auf den Rücken legt und retten lässt. Seine Rettung uulässt und vertraut. Aber mach das mal, wenn du Panik und Todesangst bist, ich konnte die Frau sehr gut verstehen. Und so beruhigte ich sie erst einmal, so gut es ging. Ich hätte sie gegen ihren Willen und ihre Angst nicht retten können. 

Vertrauen und loslassen  – lass es zu

Es mag absurd – dem Ego – erscheinen, dass die Wirklichkeit sich ohne dein Zutun offenbart. Aber du kannst nichts machen. Es ist Gnade – du entdeckst oder erleuchtest hier gar nix. Du kommst noch nicht mal voran – es gibt keinen Fortschritt. Je mehr du daran glaubst, desto tiefer versinkst du im Sand. Werde still – rufe und lausche. Und sei dir sicher, dass du Gnade empfangen wirst. Denn das ist der einzige Unterschied zum Treibsand – du kannst auf die Gnade vertrauen. Tust du das? Hast du dieses blinde Vertrauen? Wenn nicht ist es auch okay, es wird sich einstellen, wenn nichts anderes mehr bleibt, als zu vertrauen.

Werde still – und vertraue – und lausche – mehr ist nicht zu tun. 

Die Rettung kommt – du musst sie noch nicht mal verstehen oder an sie glauben. Sie kommt und sie braucht dich nicht – außer Deinem Rufen, um zu erkennen, dass du Hilfe willst. 

Allein dies kann schon eine unglaubliche Befreiung sein. Das Sein entfaltet sich doch nicht in so einer unendlichen Vielfalt des Lebens, um sich dann in eine kleine Box aus Ego zu sperren – hahaha – das Leben ist schön. Beobachte und genieße die Vielfalt, darum geht es. Um Leben, um Sein, um nichts wollen und dadurch gerettet zu werden und alles zu sein.